Traurige Sprüche über das Ritzen



Wie stark es auch brennt,
wie schnell das Blut rennt,
wenn es mich fast vom Leben trennt.

Die Klinge geht tiefer als jedes Gefühl,
jedes Laken, das ich in Kummer zerwühl.
Doch mein Körper wird nicht kalt, nur kühl.

Mein Blick erstarrt derweil zu Eis.
Narben bleiben da als Preis –
Ein Kampf, den ich nicht zu kämpfen weiß.

Zurückgezogen in meiner Welt,
in der das Blut den Geist erhellt,
zeige ich mir selbst wie weit
mein Körper fühlt, bis dass er schreit.

Narben da auf meinem Arm,
für manche schreien sie „Alarm!“,
für andere sind sie Grund zum Lachen,
weil sie sich nie solch´ Sorgen machen.

Und auch nie versuchen wollen
zu verstehen, was im tollen
Tiefenrausch der Klinge steckt,
was in mir den Frieden weckt.

Das Traurige am Ritzen ist nicht der Vorgang an sich, auch wenn man sich selbst verletzt und zeitweise Blut fließt. Nein, das Traurige am Ritzen ist, dass es die Probleme nicht zu lösen vermag, die einen plagen. Man fühlt sich kurzzeitig gut, hat für ein paar Sekunden die Kontrolle über sich selbst und kann entscheiden, wo, wie tief, wie lang und was man ritzt. Doch danach ist alles wieder wie vorher – außer dass man eine Verletzung mehr hat. Eine Verletzung, die der Außenwelt zeigt, dass etwas im Innern nicht stimmt. Etwas, das nicht durchs Ritzen gelöst werden kann.

Wenn der Schnitt die Nerven trifft
und ich mich selber spüren kann,
dann ist es wie ein süßes Gift,
wie ein Zelt, das ich aufspann´.

In diesem Zelt bin ich allein,
die Sorgen lasse ich nicht rein.
Sie warten, dass das Blut gerinnt
und sich das Zelt um mich entspinnt.

Dann lieg ich wieder wie ein Feld,
das brach und keine Frucht enthält,
voll Narben der Gewitter da.
Die Sorgen sind dann wieder wahr.

Ritze Ritze Ratze,
da draußen sitzt die Katze.
Ich lasse sie jetzt nicht herein,
weinen will ich nur allein.

Der Schmerz, der meine Seele füllt,
wenn das Blut den Arm einhüllt,
ist das einzige, was ich fühlen kann.
Darum ritze ich mich dann und wann.